In den letzten Jahren habe ich mich im Freiwilligenteam des Zoo Zürich engagiert und so immer wieder im grünen Pullover des FTZ die Besucher über verschiedene Tiere informiert. Besonders sind mir dabei die Wölfe ans Herz gewachsen.
Bei meinem vorerst letzten Einsatz bei unserem Wolfsrudel konnten mein Kollege John und ich eine interessante Beobachtung machen. Eines der Jungtiere klemmte sich leicht unter einem Baumstamm ein. Das Jaulen des Kleinen rief das gesamte Rudel auf den Plan.
Baga, das Alpha-Weibchen des Rudels, begann sofort sehr bedacht damit den Holzstapel über dem Jungen abzutragen. Der Kleine zuckte immer wieder verängstigt zurück. Die jüngeren Tiere des Rudels hingegen zeigten sich aufgeregt und fast planlos; verfielen teils in Ritualkämpfe. Ihre gesamte Körpersprache – herumstreifen, jaulen, Kampf, etc – wies darauf hin, dass sie mit der Situation überfordert waren. Baga hingegen knurrte die jüngeren Wölfe an und stoppt den Kampf, während sie das Jungtier befreite.
Das gesamte Geschehen kann man in diesem Video beobachten.
Es ist faszinierend, wie umsichtig unser Alpha-Weibchen mit der Situation umgegangen ist. Zudem lassen sich aus dem Vorfall interessante Rückschlüsse über unsere Rudelstruktur und den Erfahrungsgrad der Jungtiere ziehen. Das planvolle Vorgehen von Baga zeigt, wie klug und kooperationsorientiert Wölfe im Allgemeinen sind.
Ein spannender Moment nicht nur für das Rudel, sondern auch für alle Beobachter. Der Kleine hat sich im Übrigen gleich danach an die Zitzen von Baga gehängt. Nach so viel Aufregung braucht es selbstverständlich die Nähe zur Mutter … und eine ordentliche Mahlzeit.