Dorian Gray

Dorian Gray

von Oscar Wilde
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“ Verderben Sie ihn nicht. Versuchen Sie nicht, ihn zu beeinflussen. Nehmen Sie mir nicht den einzigen Menschen weg, dem meine Kunst all den Zauber verdankt, den sie besitzt. „

Dorian Gray erblickt sein Porträt, das der Maler Basil Hallward soeben vor Lord Henry Wotton enthüllt hat – und sieht seine Seele. Hallwards Werk fängt Dorians Jugend und die andächtige Bewunderung des Malers für ihre Unberührtheit ein. Doch als Lord Henry in Dorian das Bewusstsein für die eigene Schönheit weckt, entfacht er in dem jungen Mann gleichermaßen den unstillbaren Durst, das volle Leben zu erfahren und die Angst, auf dem Weg zum Tode seine Schönheit einzubüßen. Dorian Gray wünscht: „Wenn nur ich für immer jung bliebe und das Bild altern würde! Ich würde meine Seele dafür geben!“

Theaterfassung Alexander Frank
Inszenierung Alexander Frank
Bühne und Kostüme David Gonter
Choreographie Etienne Aweh
Dramaturgie Maria Schneider

Besetzung
Patrick Berg (Oscar Wilde)
Alexander Jaschik (Dorian Gray)
Thomas Kienast (Lord Henry Wotton)
Oliver Meskendahl (Basil Hallward)
Maria Goldmann (Sibyl Vane)

Theater Osnabrück
Emma-Theater, Spielzeit 2012/13

Fotos: © Uwe Lewandowski (1-14) / Robert Schittko (15-16)
Osnabrücker Nachrichten

„[…] Die Geschichte von Dorian Gray als eindrucksvolles Grusel-Schauspiel mit tollen Lichteffekten und grandiosen Darstellern, eine rundum gelungene Sache. Mit der Oscar-Wilde-Adaption, in der der Autor selbst und seine Leidensgeschichte eine zentrale Rolle spielen, ist jetzt eine der stimmungsvollsten Inszenierungen gestartet, die im emma-theater seit langem gelaufen ist. Alexander Frank […] erweist sich als Könner, der mit wenig Elementen ganz viel zu bewirken weiß. […] Thomas Kienast gibt einen unfassbar dandyhaften Liebhaber-Lord, Oliver Meskendahl spielt den Maler Basil schön nuanciert und Patrick Berg zeigt einen derart schaurig-ruhigen Oscar Wilde, als stamme er direkt aus einem Tim-Burton-Streifen. […]“

TV-Orange.de

„Das Emma-Theater Osnabrück hat unter Leitung von Alexander Frank den Stoff in rasanten 95 Minuten mitreißend dargestellt.  Kunstnebel und eindringlich psychedelische Musik unterstreichen Dramatik. Die ständige Selbstbespiegelung des Narzissten, der unfähig ist, zu seinem wahren Selbst und  echter Liebe zu dringen, zeigt sich in den vielen Spiegel im Zuschauer- und Theaterraum, die sich bis ins Unendliche reflektieren. Alles vermischt sich, wo fängt das Publikum an, wo hört das Theater auf?  Sind wir in einer zunehmend narzisstisch orientierten Gesellschaft nicht alle mehr oder weniger Dorian Gray? Ist alles machbar und möglich oder gibt es so objektive Werte? Der Autor Oscar Wilde ist als Erzähler in das Geschehen eingefügt. Tragischerweise hatte der Autor 1901, kurz nach der Vollendung seines ersten und einzigen Romans, „seinen“ Dorian Gray kennen gelernt, den unverschämt gut aussehenden, 20-jährigen  Lord Alfred Bruce Douglas, genannt „Bosie“. Gemeinsam mit seinem jungen Geliebten führt der verheiratete Familienvater nun sein Doppelleben in Männerbordellen und Opiumhöhlen.

(…) In der Inszenierung von Alexander Frank wird dieser Teil der Literaturgeschichte mit aufgenommen, Schriften aus dem Zuchthaus von Wilde mit eingewoben. Patrick Berg als bleicher Oscar Wilde ist ständig mit auf der Bühne, beobachtet von allen Seiten das Geschehen, als ahnt er sein eigenes Schicksal voraus. Stiftete sein eigener Roman das Leben an, es ihm gleich zu tun? Was ist zuerst da, die Idee oder das Leben? Diese und viele Fragen mehr wirft der überaus moderne Roman, überraschend und ganz neu am Emma-Theater inszeniert, auf.“

Neue Osnabrücker Zeitung

„[…] Schöpferkraft der Dichtung: Oscar Wilde spricht, und wie ein Homunkulus windet sich seine Erfindung Dorian Gray als nackter Neugeborener aus der Erde. Die Fantasie erschafft sich die Realität – diese Kernthese extrahieren Alexander Frank (Regie) und Maria Schneider (Dramaturgie) aus Wildes Roman Das Bildnis des Dorian Gray (1891), aus seinem Zuchthaus-Brief De Profundis und aus seinem Leben. […] Die Wirklichkeit imitiert die Kunst, und die Kunst trägt die Folgen. Kaum eine Szene, eine Zeile im emma-theater, die nicht an dieser Verzahnung teilhätte.

[…] Weil etliche Szenen des Stücks im Theater spielen, werden Zuschauerraum und Bühne zu Spiegeln, die einander bis ins Unendliche reflektieren. Der Ausstatter David Frederik Gonter verdoppelt die Sitzreihen des Publikums mit einer zweiten Tribüne, auf der die Schauspieler agieren. Spiel und Realität sind ununterscheidbar. […]

Die Regie montiert den Autor […] als Erzähler in seine eigene Dichtung ein, ein doppelbödiges Konzept. Als Oscar Wilde 1895 wegen seiner Homosexualität der Prozess gemacht wurde, zog das Gericht seinen Roman als Beweismittel heran, eine klassische Verwechslung von Kunst und Wirklichkeit. […] All das ist hier in flotte 95 Minuten verdichtet, in Kunstnebel, suggestive Musik und dandyeske Kostüme gehüllt und pointiert präsentiert: Alexander Jaschik spielt Dorian als verdorbene Knospe. Thomas Kienast (Lord Henry) zelebriert Kultiviertheit als Überdruss und Herablassung; Oliver Meskendahl ist als Maler ein tragischer Enthusiast. Patrick Berg entwickelt als Wilde auch im statuarischen Ernst echte Spielfreude. Und Maria Goldmann beweist als Schauspielerin Sibyl Vane, dass gerade im verruchtesten Kostüm die lauterste Unschuld wohnen kann.“