Liebesspiel

Liebesspiel

von Lars Norén

“ Richtig schrecklich. Dass du mit mir schlafen würdest, obwohl du nicht willst. „

Deutschsprachige Erstaufführung

A und B haben einen Sohn. A, der Mann, möchte gerne ein zweites Kind und ein Haus kaufen. B, die Frau, kann sich für seine Pläne kaum begeistern. C und D wünschen sich seit Jahren ein Kind, doch es klappt nicht. Eine Adoption aus dem Ausland soll das Dilemma lösen. B und C beginnen eine Affäre und das Drama beginnt. Lars Norén, Seelenzergliederer und Anatom menschlicher Beziehungen, nimmt sich in »Liebesspiel«, wie in einer Versuchsanordnung, die alltäglichsten und zugleich grundlegendsten Themen vor: Untreue, erlahmende Ehen, Unfruchtbarkeit, Selbstverwirklichungsdrang, Familie.

»Wie in einer Seifenoper – aber ohne den Seifenschaum, ohne die grellen Töne falscher Intimität. Nackt, aller unsinnigen Ausreden beraubt.« (Dagens Nyheter)

Inszenierung Alexander Frank
Bühne David Gonter
Kostüme Dorothee Joisten
Musik Kostia Rapoport
Dramaturgie Nora Khuon

Besetzung
Till Weinheimer (A)
Constanze Becker (B)
Andreas Uhse (C)
Birte Leest (D)
Ioannis Germanidis,
Julian Kowalke-Jeri,
Leo Ross (Kind)

Schauspiel Frankfurt
Kammerspiele, Spielzeit 2012/13

Alle Fotos: © Birgit Hupfeld
Frankfurter Allgemeine Zeitung

„(…) Es ist die erschreckende Vertrautheit dieser Schicksale, die man nicht einmal Schicksale nennen möchte. Sie lässt irgendwann die Erkenntnis einsickern, wie gefährlich nahe unser aller Alltag diesen Musterfiguren ist.

Dazu trägt das stumme, enorm konzentrierte Spiel des Jungen Julian Kowalke-Jeri bei. Gehüllt in eine Art Schlafrock mit Fellohren, der den Kostümen der verlorenen Kinder in Peter Pans ‚Nimmerland‘ gleicht, gekauert in eine Kuschelecke, die der Bühnenbildner David Gonter ihm gebaut hat und die, halb Hochbett, halb Baumhaus, von der Märchenleuchte über Comics bis zu Plüschtieren, Gameboys und Postern alles bietet, womit Eltern ihre Kinder als Ersatz für mangelnde Zuwendung und Zeit überhäufen, beobachtet der Junge das Geschehen. Am Ende wickelt er sich in einen Regenmantel. Es ist einer von denen, die seine Eltern immer tragen.

Diskret eindringliche Details wie diese streut der junge Regisseur Alexander Frank immer wieder ein. Auf die gerade in Frankfurt inzwischen oft die Schmerzgrenze überschreitenden grellen Effekte verzichtet er gänzlich. Eine leise Inszenierung, in Spiel und Bühne auf das Wesentliche beschränkt. Sie wühlt nicht auf, aber weckt Nachdenken. Wohlwollender lang anhaltender Applaus.“

Frankfurter Rundschau

„(Alexander Frank) war vorsichtig, es ist keine Inszenierung, die den Regieeinfall nach vorne schiebt. Aber das steht diesem Stück nicht schlecht. Denn abgesehen von einer Abtreibung tut keiner keinem Gewalt an.

Die Beziehungen in »Liebespiel« sind langsam, knirschend auf Grund gelaufen, unwahrscheinlich, dass sie einer der Beteiligten wieder flott kriegt. (…) Becker ist die Lebensvollste in diesem Quartett. Uhse hat sofort etwas Spitziges, zugleich Pullunderhaftes. Er wird schnell seine kleinliche Seite zeigen, sie wird sagen, was sie meistens sagt: »Ich weiß es nicht.« Birte Leest, D und anfangs verheiratet mit C, gibt die dezent Verbitterte (nichts war es mit der künstlichen Befruchtung), die ebenfalls Penible – aber wer macht hier nicht irgendwann jede Centrechnung noch mal und noch mal auf, die in langen Ehejahren angefallen ist?“

Darmstädter Echo

„Das Publikum war begeistert vom ehelichen Abgesang.“

Süddeutsche Zeitung

„Norén besitzt die schöne Fähigkeit, Alltagssätze in einen kargen, streng durchkomponierten Text einzubauen; auch in »Liebespiel«, das jetzt seine deutschsprachige Erstaufführung am Schauspiel Frankfurt erlebte, gibt es viele solcher Sätze. Sätze, die jeder kennt, und die auf einmal bitter wirken, wenn die Liebe kaputt ist. (…) Regisseur Alexander Frank stellt das Kind, über das bei Norén nur geredet wird, tatsächlich auf die karge Bühne der Frankfurter Kammerspiele, ein immerwährendes Menetekel.“

Offenbacher Post

„Die 23 schlaglichthaften Szenen sind so trocken-knapp und schneidend präzise gearbeitet, wie man das von Lars Norén nicht anders erwartet. Norén rückt den Dingen zuleibe und er kriegt sie so trefflich zu fassen wie kaum ein zweiter. Alexander Frank wiederum gelingt es, inszenatorisch nicht zu viel und nicht zu wenig zu tun. Das Quartett um Constanze Becker und Till Weinheimer sowie Birte Leest und Andreas Uhse agiert in diesem Konzert der Dissonanzen durchweg großartig. Da sind Dinge, Tonfälle und Gesten akzentuiert und auch mal pointiert, aber nie überzeichnet.“

Mannheimer Morgen

„Mit nicht mehr als einem altertümlichen Sofa samt Stehlampe und einem illuminierten Baumhaus, in dem sich der stumm agierende Junge des einen Paars tummelt, deutet der Bühnenbildner David Gonter eine nostalgische Wärme an. Ein Zurück dahin gibt es nicht. Eine Flucht nach vorne ist auch nicht zu haben. Kein Trost, nirgends.“

Frankfurter Neue Presse

„Norén gestaltet die Beziehungen seines Stücks so modellhaft, dass er die Ehepaare A und B sowie C und D nennt. (…) Um ihrem ehelichen Ungenügen zu entgehen, weichen B (Constanze Becker: schön, mütterlich, passioniert im Négligé, weinroten Kleid oder Mantel) und C (Andreas Uhse: ein maximal präziser, kontrollierter Gliedermann mit Glatze) in eine gemeinsame Liebschaft aus. (…) Gespielt wird auf der Schiffsdeck-artigen Bühne indes so konsequent gelöst und hochgradig artistisch, dass man Noréns düstere Ansinnen, wie Menschen in Paaren einander nicht alleweil erste Wahl und jeder dem andern zuwenig wären, mit gemindertem Schauder in Betracht zieht. Nordisch streng? Gewiss. Vor allem aber ein kühles Kammerspiel von Graden.“