The Small Things

The Small Things

von Enda Walsh

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“ In meinem Innern ist es still, es wartet ab. Leben und Tod warten, für was ich mich entscheide. „

Eine Frau und ein Mann reden um ihr Leben. Zunächst erzählen sie nur von den unscheinbaren Dingen, doch dann fordert das Dunkle seinen Raum: Als Einzige haben sie das Massaker ihres Dorfes überlebt. Seitdem haben sie die übrige Welt aus ihrem Leben ausgeschlossen, sich in ein Zimmer zurückgezogen und seit Jahren keinen Kontakt mehr zu anderen Menschen gehabt: allein kämpfen sie jetzt mit der Erinnerung. So grausam sie auch ist, sie wird beschworen, besprochen und immer wieder aufgesucht. Es gibt keine Hoffnung, und doch halten sie die Hoffnung am Leben, durch den Akt des Erzählens selbst.

»Es ist ein kleines Stück über die großen Dinge und es ist erschütternd und präzise und poetisch geschrieben.« The Guardian

Inszenierung Alexander Frank
Bühne Anna Dischkow
Kostüme Dorothee Joisten
Dramaturgie Nora Khuon

Besetzung
Andreas Uhse
Sandra Gerling

Schauspiel Franfurt
Box, Spielzeit 2010/11

Alle Fotos: © Eduarth Szekely / Vorabbild oben: Birgit Hupfeld
Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Das Bühnenbild: eine Beklemmung. (…) Grauer Nebel wabert durch die Stube, bevor der alte Mann zu reden beginnt, im Wechsel mit der Frau (Sandra Gerling), die immer hinter einem roten Vorhang verborgen bleibt. Doch ein Zwiegespräch ist dies mitnichten. (…) Und so lautet das Resümee des Mannes zum Schluss auch: „In meinem Innern ist es still, es wartet ab. Leben und Tod warten, für was ich mich entscheide.” Ein zeitloses und ortloses Geschehen kommt hier zur Sprache, Assoziationen liegen jedoch nahe. (…) Die Qualen dieser kaum erträglichen Lebensgeschichte macht der grandiose Schauspieler Andreas Uhse überzeugend sichtbar – er zeigt ja auf der Bühne immer wieder ein enormes Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten, wie etwa in „Messias” oder „Mein Kampf” zu sehen ist.“

Frankfurter Neue Presse

„Alexander Frank gelang in der Frankfurter Schauspiel-Box eine spannende Inszenierung von Enda Walshs Bizarrerie «The Small Things». (…) Anna Dischkows Guckkastenbühne mit als Tisch dienender Nähmaschine und Stuhl vorn, mit Wanduhr und Rolltischchen rechts, brettervernagelter Türöffnung links, Ofen hinten, Sessel in der Hinterecke, sowie der grobe Mantel und die fingerlosen Handschuhe Andreas Uhses (Kostüme: Dorothee Joisten) wirken ungebrochen realistisch. Irrtum. Die Dubliner Gene, denen der europaweit gespielte Enda Walsh zuschreibt, ihn zum Drama bestimmt zu haben, unterspülen jeden wirklichen Naturalismus. Die erste Frankfurter Regie Alexander Franks weiß um diese Doppelbödigkeit. (…) Eine beeindruckend konzentrierte Leistung Uhses in Kapo-Gewissensnot, Ingenieurs- und Maschinen-Obsession, der Gerling mit ihrer quirlig-jungen Stimme und William Blacks Sounddesign aus Standuhren und alten englischen Schlagern entgegenhalten.“

Wiesbadener Kurier

„Nun hat Alexander Frank das Stück „The Small Things“ des irischen Dramatikers Enda Walsh in der Box als intensives Rumpelkammerspiel in Szene gesetzt. Der Schauspieler Andreas Uhse verkörpert den Mann als einen, der großartig um die Ordnung der Dinge ringt. Sein kahler Schädel ist von einer Dreckschicht überzogen, die Augen rot unterlaufen. Hoch konzentriert sitzt er an dem Tischchen in der Mitte und würgt seine Vergangenheit hervor (…) Es ist einfach zum Heulen, zum Mitheulen.

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Nachtkritik.de

„Alexander Franks Intensivversion von Enda Walshs Katastrophenstück (…) Gemeinsam mit den Ausführungen der Frau rekonstruiert der Mann seine Vergangenheit wie einen bösen Traum. Dabei scheint es, als führe Uhses Mund ein unheimliches Eigenleben: Mal bläht er sich auf und wölbt Sätze in den Vordergrund, dann wird er ganz schmal und saugt den Ekel hoch, während Uhses Blick ins Ungefähre stiert. Dabei erinnert er entfernt an den englischen Patienten und dann wieder an einen x-beliebigen Greis, der im nächsten Moment schaut wie ein Baby. Gleich darauf verzieht sich sein Gesicht zu einer einzigen Trostlosigkeit. Ziemlich am Ende des nicht viel länger als eine Stunde währenden Abends steht ihm dann das Wasser in den Augen. Langsam rinnen die Tränen seine Wangen herab, während sich in seinem Kopf schon ein inneres Leuchten den Weg bahnt, das direkt aus seinen seelischen Eingeweiden zu kommen scheint. Kurz: Die Erinnerung ist ein Wahnsinn.

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Offenbacher Post

„Zeigen, wie es ist. Dafür braucht Alexander Frank nicht Lärm und Furor, Kennzeichen der meisten Inszenierungen anderer Stücke von Walshs Generationsgenossen. „The Small Things” ist ein leises Stück, und leise ist die Inszenierung. Regelrecht konservativ, bewusst handwerklich mutet sie an – zu ihrem Besten. Anna Dischkow hat einen Guckkasten in die Box gesetzt; eine Lösung, die im produktiven Widerstreit zum offenen Raum steht. Diese kleine, konzentrierte Arbeit nimmt mit unaufdringlicher Eindrücklichkeit für sich ein.


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Main Echo

„Als Kinder waren sie Freunde, mit 12 Jahren küssten sie sich zum ersten Mal. Was so harmlos anfängt wie eine Teenager-Liebesgeschichte wird bei Walsh zu einem Alptraum. Die Jugendlichen überleben gemeinsam ein schreckliches Massaker in ihrem Dorf, bei dem selbst ernannte Bosse den Menschen ihre Zungen herausschneiden. Das Unsagbare verarbeiten beide mit dem einzigen, was ihnen geblieben ist: ihrer Sprache. Walshs Text erschüttert, irritiert. Uhse und Gerling arbeiten sich an ihm ab bis zur Erschöpfung.
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